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Blinde Fassaden - extrem intime Häuser


Mehr und mehr Wohnungen haben mittlerweile eine fast fensterlose Fassade, wohingegen im hinteren Teil des Gebäudes großflächige Fensterwände das Licht eindringen lassen. Neuartige Architektur oder asoziale Einstellung?

Architekten zufolge liegt diesem neuen Trend die Tatsache zugrunde, dass der Kunde keine Lust auf die Sicht auf die Siedlung hat. Oft ist die Vorderfassade auch nach Norden gerichtet. Aus Sicht des Energiesparens macht es dem nach Sinn m√∂glichst wenig Fenster dort einzusetzen. Diese Energieersparnis ist heutzutage wichtig f√ľr Neubauprojekte.

Kulturelles Phänomen
Seit den 50er Jahren gibt es eine deutliche Evolution. Damals lag der Lebensraum vor dem Haus: man wollte sehen, was in der Stra√üe los war, und man wollte gesehen werden. Die hintere Fassade war unwichtig. Der Garten wurde als Funktionsraum gesehen um Gem√ľse zu pflanzen oder H√ľhner zu z√ľchten.

Die Abgrenzung vom Nachbarn ist ein kulturelles Phänomen geworden. Sobald man in ein neues Haus eingezogen ist, werden Fensterläden, Vorhänge und Stores angebracht. Die neuen architektonischen Projekte mit blinden Fassaden liegen jetzt voll im Trend.

Vor allem in Neubausiedlungen oder stadt√§hnlichen Siedlungen auf dem Land wollen Menschen sich von ihrer Nachbarschaft abschotten. So ist denn auch das Nachbarschaftsverh√§ltnis nicht mehr so ausgepr√§gt, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Umz√ľge sind an der Tagesordnung.

Dieser neue architektonische Stil ist eine Folge der Individualsierung unserer Gesellschaft. In den 1960er Jahren sorgte die Demokratisierung des Automobils f√ľr das Auftauchen von Garagen, und in der Folge einem neuen Haustyp, der schon die Distanz zur Stra√üe suchte. Dann kamen Fernseher, Spielkonsolen und Internet, so dass der Mensch mehr und mehr Zeit vor Bildschirmen verbrachte und sich seine sozialen Kontakte weiter begrenzten und somit auch sein Interesse an Leben im Viertel.¬†

Gibt es Grenzen dieser Tendenz sich vom √∂ffentlichen Leben abzuschotten? Stellen Sie sich eine Stra√üe vor, in der alle H√§user nur auf sich selbst bezogen w√§ren. Der Einfluss auf den √∂ffentlichen Raum w√§re enorm und die Stra√üe w√ľrde ein be√§ngstigender Raum. Niemand f√ľhlte sich mehr f√ľr das verantwortlich, was drau√üen geschieht.

Die Herausforderung ist es ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Zusammenleben und Intimität zu finden.
Unterm Strich ist und bleibt diese Bauweise auch eine Geschmackssache. Und wie bei so mancher Modeerscheinung liegt alles im stetigen Wandel.

Architektur Marcel Palm

Krinkelt, Wirtzfelder Weg 15
4761 B√ľllingen

Architekt

Paysage WINTERS Landschaften (Heinz Winters & Valérie Radermecker)

Hochstrasse 160
4700 Eupen

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